Was ist Factoring? Definition, Grundprinzip und Nutzen
Factoring ist der laufende Verkauf offener Forderungen an einen Finanzdienstleister. Aus einer Rechnung mit 30 oder 60 Tagen Zahlungsziel wird so binnen weniger Tage verfügbare Liquidität.
Von der Rechnungsverkauf24-Fachredaktion Fachlich geprüft 6 Min. LesezeitAktualisiert: 6. Juli 2026

Factoring Definition: Forderungsverkauf statt Warten
Factoring bezeichnet den fortlaufenden Verkauf von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an einen spezialisierten Dienstleister, den Factor. Statt bis zum Ende des Zahlungsziels auf den Rechnungsbetrag zu warten, erhält das Unternehmen einen Großteil der Summe sofort ausgezahlt.
Rechtlich handelt es sich um einen Kaufvertrag über die Forderung: Die Forderung geht auf den Factor über, der damit auch das Einziehen des Geldes vom Kunden (dem Debitor) übernimmt. Factoring ist damit kein Darlehen, sondern ein Aktivtausch in der Bilanz. Die offene Forderung wird gegen Bankguthaben getauscht.
Das Grundprinzip in drei Schritten
Der Ablauf folgt in fast allen Vertragsformen demselben Muster. Nach Abschluss eines Rahmenvertrags werden die Forderungen laufend eingereicht und angekauft.
- Das Unternehmen liefert seine Leistung und stellt dem Kunden wie gewohnt eine Rechnung.
- Die Rechnung wird an den Factor übermittelt, der in der Regel 80 bis 90 Prozent des Betrags innerhalb von ein bis zwei Werktagen auszahlt.
- Zahlt der Kunde später die Rechnung an den Factor, wird der einbehaltene Rest abzüglich der Gebühren an das Unternehmen überwiesen.
Wer nutzt Factoring?
Factoring eignet sich für Unternehmen mit wiederkehrenden Rechnungen an gewerbliche oder öffentliche Kunden (B2B und B2G). Besonders verbreitet ist es in Branchen mit langen Zahlungszielen und hoher Vorfinanzierung von Material und Löhnen.
Typische Nutzer sind Betriebe aus Handwerk und Bau, Transport und Logistik, Zeitarbeit, Pflege und Gesundheitswesen sowie Produktion und Großhandel. Auch Selbstständige und Freiberufler nutzen Factoring, sofern ihre Kunden Unternehmen sind. Reine Verbrauchergeschäfte (B2C) sind meist ausgeschlossen.
- Handwerk und Bau mit langen Projektlaufzeiten
- Transport, Spedition und Logistik
- Zeitarbeit und Personaldienstleistung mit hoher Lohnvorfinanzierung
- Pflegedienste, Ärzte und Gesundheitswesen
- Großhandel und produzierendes Gewerbe
Abgrenzung zu Kredit und Kontokorrent
Ein Bankkredit oder eine Kontokorrentlinie erhöht die Verschuldung und belastet die Bilanz. Factoring dagegen finanziert sich aus dem eigenen Umsatz: Es wird kein zusätzliches Fremdkapital aufgenommen, sondern bereits verdientes Geld früher verfügbar gemacht.
Anders als eine feste Kreditlinie wächst der Finanzierungsrahmen beim Factoring automatisch mit dem Umsatz mit. Steigen die Aufträge, steigt auch die verfügbare Liquidität. Im echten Factoring übernimmt der Factor zusätzlich das Ausfallrisiko, was ein klassischer Kredit nicht leistet.
Häufige Fragen
Ist Factoring ein Kredit?
Nein. Beim Factoring werden Forderungen verkauft, es entsteht keine neue Verbindlichkeit. Die Finanzierung stammt aus dem eigenen Umsatz und nicht aus zusätzlichem Fremdkapital, weshalb Factoring die Eigenkapitalquote sogar verbessern kann.
Ab welchem Umsatz lohnt sich Factoring?
Viele Anbieter bedienen bereits Jahresumsätze im unteren sechsstelligen Bereich, einige auch Selbstständige darunter. Entscheidend sind wiederkehrende B2B-Rechnungen und eine ausreichende Bonität der Kunden, nicht allein die Umsatzhöhe.
Merken meine Kunden, dass ich Factoring nutze?
Beim offenen Factoring ja, da ein Abtretungsvermerk auf der Rechnung steht. Beim stillen Factoring bleibt der Forderungsverkauf für den Kunden unsichtbar. Beide Varianten sind in Deutschland üblich und rechtlich zulässig.
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